Sherry – vom Omawein zum Sommerdrink

Sherry ist nur was für Bridge spielende Damen am Kamin? Von wegen! Zwar hat manch ein Fass in Jerez mehr als hundert Jahre auf dem Buckel, doch die Kellermeister zaubern heute auch moderne Sherry-Varianten, die zu jedem Essen und zu jeder Party passen.

Als britische Seefahrer vor rund 400 Jahren die erste Ladung Sherry aus Andalusien nach Plymouth verschifften, war es um die Engländer geschehen: Vor allem die adeligen Damen verfielen dem spanischen Fluidum, und so grassiert bis heute das Bild von Sherry trinkenden Ladies in Ohrensesseln.

Jerez: Heimatstadt des Sherry

Jerez: Heimatstadt des Sherry

In Jerez, der Heimatstadt des Sherry in Andalusien, kann man darüber nur lachen. Hier trinkt (fast) jeder Sherry – und zwar zu jeder Tages- und Nachtzeit. Schon am Vormittag sieht man die Einheimischen in den Bars am Tresen stehen, mit einem Fino-Sherry und ein paar Tapas: frittierte Sardellen und Garnelen, Fleischbällchen in Tomatensauce, marinierte Meeresfrüchte, Serrano-Schinken, Manchego-Käse und und und. Vor dem Mittag- und Abendessen das gleiche Spiel und – für uns besonders erstaunlich: Die Jerezanos trinken ihren »Vino de Jerez« sogar zum Essen, trocken zu Fisch, »medium dry« zu Fleisch und süß zu Wild. Die süßeren Varianten gibt’s natürlich auch gern als Digestif.

Palomino: Eine Rebsorte, ganz unterschiedliche Weine

Alle Sherry-Typen werden aus der weißen Palomino-Traube gekeltert – vom hellen, trockenen Fino über den milderen Amontillado bis zum dunklen, oft süßen Oloroso. Je nach gewünschtem Sherry-Typ wird dem Grundwein reiner Alkohol zugegeben, um den Gärprozess in eine bestimmte Richtung zu lenken. Mildere bis süße Sorten ergeben sich dann durch Zugabe von süßem Wein aus der Pedro-Ximénez-Traube.

Sherry Reifung in Eichenfässern (Foto: Delgado Zuleta)

Sherry Reifung in Eichenfässern (Foto: Delgado Zuleta)

Große Besonderheit des Sherry ist das »Criadera y solera«-Verfahren, bei dem Wein eines älteren Jahrganges in mehreren Stufen mit Sherry jüngerer Jahrgänge vermischt wird. So entstehen Weine von ständig etwa gleichbleibender Qualität. Und nun haben Sie die Qual der Wahl:

Sherry-Typen: Für jede Gelegenheit der richtige Wein

  • Fino: strohfarbener, trockener Sherry mit herbem oder leicht bitterem Aroma, das an Mandeln erinnert. Klassischer Aperitif, passt gut zu Tapas, Fisch und Meeresfrüchten.
  • Manzanilla: strohgelber, sehr trockener und frischer Sherry aus Sanlúcar de Barrameda. Gut als Aperitif sowie zu Tapas, Fisch und Meeresfrüchten.
  • Amontillado: bernsteinfarbener, aromatischer Sherry. Von Natur aus trocken, wird bei uns jedoch gern als leicht gesüßter »Medium dry« verkauft, also halbtrocken. Der universellste Sherry, passt besonders gut zu Geflügel, Blaufisch, Käse und Salzgebäck.
  • Oloroso: dunkler, sehr körperreicher Sherry mit kräftigem Aroma. Passt gut zu Wild und anderen roten Fleischsorten.
  • Pale Cream: durch Zugabe von Mostkonzentrat leicht gesüßter Fino mit delikatem Aroma. Gut zu Käse, Leberpastete und Früchten.
  • Cream: durch Zugabe von Pedro-Ximenez-Wein gesüßter Oloroso, gut als Dessertwein.
  • Palo Cortado: mahagonifarbener, sehr eleganter Sherry mit nussigem Aroma. Liegt zwischen Amontillado und Oloroso.
  • Pedro Ximénez: dunkler Süßwein aus der Pedro Ximénez-Traube mit vollem Rosinenaroma. Ideal zum Dessert und zu Blauschimmelkäse.
Sherry-Typen (Foto: Delgado Zuleta)

Sherry-Typen (Foto: Delgado Zuleta)

Um das Image vom Sherry als Omawein auch bei uns ein- für allemal zu knacken, bieten die spanischen Kellereien seit einigen Jahren spezielle leichte Sommer-Sherrys an – ideal zum Essen oder eisgekühlt für Partys. Einige Bodegas machen mittlerweile auch Jahrgangs-Sherrys, und die modische Crossover-Küche hat eine reizvolle Liaison zwischen Sherry und asiatischer Küche entdeckt. Passt super!

  • Veröffentlicht in: Marion Trutter, Sherry, Spanische Spezialitäten